EuroPain, 8. bis 12. März, Paris

Manche Termine im Jahr sind mir heiliger als Weihnachten und Ostern zusammen.

Mit Dietmar und Helmut, zwei Meisterbäckern aus Leib und Seele, zusammen in Paris auf Boulangerie-Exkursion zu gehen und die EuroPain zu erarbeiten, ist so ein Ereignis.

Die Messe war Teil des selbstgestrickten Programms.

Überaus wichtig war auch die Übernachtung bei Anna–einer Wahl-Französin mit toskanischen Wurzeln.

Nicht zu vergessen: das 1664 („seize“) auf der sonnigen Terrasse. Das erste Draussenbier dieses Jahr, ohne an Flascheneis denken zu müssen.

Stationen in Paris:

Poillane

-Paul

-Mr Präsidenten-Baguette: Rhida Khadher

und ausserhalb:

Peter Kapp, Edingen-Neckarshausen

Mit anschliessenden Brottests.

Der Einlass für internationale Besucher mit Einladung war etwas zähe. Formulare wurden von uns händisch ausgefüllt und dann vom Personal in Rechner eingetippt, damit die Batches ausgedruckt werden konnten. 14min für 3 Besucher…tat der Vorfreude keinen Abbruch!

Am Eingang mit dem zweitgrößten Stand der Messe prunkte Moule Bie, eine der drei großen Pariser Mühlen (Campailette-Mehl).

Den größten Raum auf dem Gelände beanspruchte ein französischer Maschinenbauer, der Komplettanlagen im Industriemaßstab (3,5 Tonnen Teig pro Stunde werden zu Baguette, Batard, Ciabatta… verarbeitet-Qualität: beängstigend gut, nicht zu vergleichen mit dem aktuellen ALDILIDLPENNY-Angebot)

Die wichtigeren frz. Bäckereitechnik-Firmen konnten sich ein Fehlen nicht leisten, die deutschen übten sich in Bescheidenheit…MIWE, ein Platzhirsch auf deutschen Bäckereimessen konnte man fast übersehen. Backaldrin, die „Kornspitz-Company“ mit auf deutschen Messen halb Fußballfeld großen Messeständen war nicht auffindbar.

Hat die Messe Schrittmacher-Funktion oder eher social-event-Charakter?

Nimmt man die Marketing-Fuzzis der Veranstaltung ernst….

tut mir leid, kann ich nicht. Abbruch des Gedankenganges.

Es wird versucht, 7 Trends zu beschreiben, die die Bäcker-Zukunft ausmachen (sollen).

Dagegen lesen sich die ADAC-Umfragen der letzten Jahre nach des deutschen Lieblingsauto so klar und solide wie die Zahlen aus Omas Sparbuch.

Ein Trend, den die Veranstalter sicher nicht veröffentlicht sehen wollen,

ist -auch in Frankreich- der Gang zum Convinience-Produkt, zu Fertigmischungen, Zusatzstoffen, zur Reduktion des Anspruchs an handwerkliche Fähigkeiten, ein Saatkorn, das in Deutschland schon seit langem bei vielen Bäckern auf fruchtbaren Boden fällt.

Und für mich wichtigste Ursache des Bäckersterbens ist.

Der Bäcker hat- besser noch als die Industrie die Möglichkeit, seine Kunden süchtig zu machen-nach seinem genialen Brot.

Dazu muß er den Kundengeschmack treffen und trainieren.

Schön ist’s auch, wenn die Verkäuferin nicht aussieht, als hätte sie eben den kompletten Sauerteig geschluckt.

Für mich gab es auf der Messe nicht viel Neues zu entdecken, Kunden und Aussteller nutzten das Forum m.E. für’s Sehen und Gesehen werden…zum Austausch von Freundlichkeiten und um einen Champagner auf Lieferantenkosten zu trinken.

Fazit: Für fachliche Belange muß man nicht auf die EuroPain, wenn man sowieso in der Nähe weilt, lohnt ein Abstecher.

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