Vom Verlust meiner Unschuld

Feb 24, 2013 2 Comments by

Nach einem 14-Stunden-Tag erreichte ich zumindest die Postleitzahl meines Zielortes, irgendwo in Calabrien.
Meine Urlaubsplanung hatte nie auch nur eine Ahnung von Perfektion.
Brieftasche, ein paar saubere Slips, Schuhe, die nicht wehtun. Zahnbürste & Deo. Rest: Zivilisationsmüll. Kann mit, muss nicht.
Jetzt ist’s an der Zeit, nach der Adresse meines Bettes zu schauen. Das Navi kennt nicht einmal den Ortsnamen. Mit Hilfe der Carabinieri definieren wir ein Ziel in der Nähe, (35km von meinem aktuellen Standort entfernt) das dem Navi bekannt ist.
20Min über die Autobahn, sagt der Polizist. Auffahrt gesperrt, das Navi schickt mich durch einen Nationalpark über calabrische Feldwege. Es waren zwar insgesamt 3km weniger, trotzdem hab’ ich doch etwas länger gebraucht. Im nachhinein frag’ ich mich, ob bei der Fahrt versteckte suizidale Sehnsüchte durchbrachen.
Typisches Vorgehen als stolzer y-Chromosom-Träger im Bergdorf: Adressensuche auf gut Glück, bloß keine Eingeborenen fragen.
Mit dieser Entscheidung sind die Minuten meiner Unschuld -und die meines fahrbaren Untersatzes gezählt. In diesem Fall eine Mittelklasseschüssel aus Bayern.
Durch die entscheidenden Gassen passten höchstens dreiviertel des Autos.
Der seelische Nachhall dieses Erlebnisses läßt mich auch jetzt noch losheulen.
Das Salz des Angstschweisses, den ich in dieser halben Stunde gelassen habe, reichte aus, mein Hemd zur Standfestigkeit zu verkrusten.
Merke: Die Altstadtkerne italienischer Bergdörfer sind auch um 22.37 Uhr nicht kompatibel mit deutschen Mittelklasseschüsseln.

Die wunde Seele heilte bei Stefania & Guiseppe, zwei liebenswerten Gastgebern, die neben ihrer Authentizität ihre Gegenwart mit mir teilten.

Rezept
Guiseppes Panino „La Bomba“

Zutaten:
1 Feige, getrocknet
1 Walnuss, der Kern
Mandarine: ein paar Streifen aus der Schale (Zesten)

Die Feige aufschneiden, den Walnusskern einlegen, mit den Zesten bestreuen, die Feige wieder zusammenpressen.
Geniessen.

Italienische Küche wie ich sie schätze.

Eine Kombination aus 3 Zutaten ohne Aufwand zu einem genialen Geschmackserlebnis zusammengefügt.
Chapeau, lieber Guiseppe.

Panino4

Panino4

Feige

Feige

Panino1

Panino1

Panino2

Panino2

Panino3

Panino3

Allgemein, Italienisch, schnelle Küche

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2 Responses to “Vom Verlust meiner Unschuld”

  1. schelli says:

    immer gern, lieber Robert!

  2. lamiacucina says:

    3 Zutaten, Danke fürs Zeigen !

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